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Azubi-Bewerbung Schritt für Schritt

Von Falk Schieck ·

Für einen Ausbildungsplatz bewirbst du dich rund ein Jahr vorher. Wer im Sommer 2027 anfangen will, schreibt seine Bewerbungen ab dem Spätsommer 2026 – große Betriebe vergeben ihre Plätze im Herbst, kleinere oft erst im Frühjahr.

Deine Bewerbung besteht aus Anschreiben, Lebenslauf und den letzten zwei Schulzeugnissen. Das ist alles. Wie du die drei Teile füllst, wenn du noch nicht gearbeitet hast, steht hier.

Schritt 1: Ausbildungsplätze finden

Die größte Auswahl hat die Lehrstellenbörse der Bundesagentur für Arbeit, dazu die der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer deiner Region. Schau außerdem direkt auf die Websites der Betriebe, die du kennst: Viele kleinere Firmen schreiben ihre Stellen nirgends aus, sondern nur auf der eigenen Seite oder gar nicht.

Frag im Bekanntenkreis. Ein großer Teil der Ausbildungsplätze im Handwerk wird über Empfehlungen besetzt, bevor sie irgendwo stehen. Ein Anruf beim Betrieb um die Ecke mit der Frage, ob nächstes Jahr ein Platz frei wird, ist völlig normal und wird nicht als Belästigung gesehen.

Halt fest, wo du dich beworben hast und wann. Wenn nach ein paar Wochen die ersten Antworten kommen, verlierst du sonst den Überblick.

Schritt 2: Das Anschreiben

Eine Seite, vier Absätze. Warum dieser Beruf, warum dieser Betrieb, was du mitbringst, und der Wunsch nach einem Gespräch. Der schwierigste Teil ist der erste Satz, und der ist auch der wichtigste: „Hiermit bewerbe ich mich um einen Ausbildungsplatz“ steht in jeder Bewerbung. Schreib stattdessen, woher dein Interesse kommt.

Ein Praktikum, eine Arbeit im Betrieb der Eltern, ein Hobby, bei dem du schraubst oder baust, ein Ferienjob: Das sind die Belege, die du hast. Sie sind mehr wert als jede Behauptung über Motivation und Teamfähigkeit.

Sag ehrlich, was du noch nicht kannst, ohne dich kleinzumachen. Niemand erwartet von einem Bewerber um einen Ausbildungsplatz, dass er den Beruf schon beherrscht. Erwartet wird, dass du weißt, worauf du dich einlässt.

Schritt 3: Der Lebenslauf ohne Berufserfahrung

Oben stehen deine Kontaktdaten, dann die Schulbildung mit Zeiträumen und dem Abschluss, den du machst oder gemacht hast. Danach Praktika, Ferienjobs und alles andere, was du außerhalb der Schule gemacht hast.

Zu jedem Praktikum gehören Betrieb, Zeitraum und zwei Stichpunkte, was du dort getan hast. „Praktikum Metallbau Schmidt, zwei Wochen, Zuschnitt und Entgraten von Werkstücken, Mithilfe bei der Montage“ sagt einem Ausbilder mehr als drei Zeilen über deine Stärken.

Unter Kenntnisse kommt, was du wirklich kannst: Führerschein, Sprachen, Umgang mit Werkzeugen oder Programmen. Auch Ehrenamt zählt – Feuerwehr, Verein, Sanitätsdienst, Nachhilfe. Das zeigt, dass du dich an Verabredungen hältst, und genau das interessiert Ausbilder.

Schritt 4: Zeugnisse richtig einordnen

Dazu gehören die letzten beiden Schulzeugnisse, dazu Praktikumsbescheinigungen und Bescheinigungen über Kurse oder Ehrenämter. Wenn dein aktuelles Zeugnis noch nicht da ist, nimmst du das vorherige und schreibst im Anschreiben, dass du das neue nachreichst.

Eine schlechte Note in einem Fach, das nichts mit dem Beruf zu tun hat, musst du nicht erklären. Wenn ein Fach schwach ist, das zum Beruf gehört, kannst du im Gespräch sagen, woran es lag und was du dagegen tust. Vorher aufkommen lassen musst du das Thema nicht.

Scanne die Zeugnisse gerade und lesbar ein und pack alles in eine einzige PDF-Datei: Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse in dieser Reihenfolge.

Schritt 5: Abschicken und nachfassen

Verschick die Bewerbung von einer E-Mail-Adresse mit deinem Namen. Adressen aus der Schulzeit mit Spitznamen oder Zahlenkombinationen kosten dich beim ersten Blick Sympathie, und eine neue anzulegen dauert fünf Minuten.

In der Mail stehen zwei Sätze und der Betreff mit dem Ausbildungsberuf. Der Rest steht im Anschreiben. Prüf vor dem Senden, ob die Datei wirklich angehängt ist und ob der Betriebsname im Text stimmt.

Wenn nach zwei bis drei Wochen nichts kommt, ruf an und frag freundlich nach dem Stand. Gerade in kleineren Betrieben landest du damit direkt beim Chef, und Nachfragen wird als Interesse gewertet.

Vorstellungsgespräch und Einstellungstest

Viele Betriebe laden zu einem kurzen Einstellungstest ein, bevor überhaupt ein Gespräch stattfindet: Grundrechnen, Textverständnis, manchmal ein technisches Verständnis-Aufgabe passend zum Beruf. Übungsaufgaben dazu findest du kostenlos bei den Kammern und der Arbeitsagentur, eine halbe Stunde Vorbereitung reicht meistens, um wieder reinzukommen, falls Mathe eine Weile her ist.

Zum Gespräch selbst zieh dich so an, wie du es auch am ersten Arbeitstag tun würdest, etwas ordentlicher. Rechne mit der Frage, warum du genau diesen Beruf willst, und überleg dir eine ehrliche Antwort darauf, keine auswendig gelernte. Häufig kommt auch die Frage nach deinen Stärken und Schwächen – nimm eine echte Schwäche, aber eine, an der du erkennbar arbeitest.

Bring eigene Fragen mit: wie der Ausbildungsalltag aussieht, ob du in verschiedene Abteilungen wechselst, wie die Übernahmechancen sind. Das zeigt echtes Interesse und macht aus dem Verhör ein Gespräch.

Der Zeitplan im Überblick

Spätsommer und Herbst: Bewerbungen für das folgende Ausbildungsjahr rausschicken, vor allem an größere Betriebe und alles mit Auswahlverfahren. Winter: Gespräche und Einstellungstests, gleichzeitig weiterbewerben. Frühjahr: kleinere Betriebe besetzen jetzt, hier gibt es oft noch freie Plätze.

Und wenn im Sommer immer noch nichts da ist, ist nichts verloren: Viele Betriebe suchen bis kurz vor Ausbildungsbeginn, weil Zusagen zurückgezogen werden. Bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur laufen genau diese kurzfristigen Plätze auf.

Aus deinen Angaben entstehen Anschreiben und Lebenslauf als PDF – ansehen und prüfen kostet nichts.

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