Was ist ein ATS – und warum sortiert es Bewerbungen aus?
Von Falk Schieck ·
Bei größeren Firmen liest deine Bewerbung nicht als Erstes ein Mensch. Sie landet in einer Software, die eingehende Bewerbungen sammelt, sortiert und durchsuchbar macht: einem Bewerbermanagementsystem, auf Englisch Applicant Tracking System, kurz ATS. Kann diese Software deinen Lebenslauf nicht sauber auslesen, merkt der Personaler im schlimmsten Fall gar nicht, dass du dich beworben hast.
Das ist kein Grund zur Panik. Es ist ein Grund, den Lebenslauf anders zu bauen, als man es aus älteren Bewerbungsratgebern kennt. Und was einer Software das Lesen leicht macht, macht es auch dem Menschen leichter, der danach draufschaut.
Was die Software mit deiner Bewerbung macht
Wenn du auf „Bewerbung absenden“ klickst oder deine Unterlagen per E-Mail schickst, nimmt das System die Dateien entgegen und versucht, sie in einzelne Felder zu zerlegen: Name, Telefonnummer, E-Mail, deine bisherigen Stationen mit Zeitraum, Ausbildung, Kenntnisse. Daraus entsteht ein Datensatz, so ähnlich wie ein Eintrag in einem Adressbuch.
Später sucht der Personaler in diesem Adressbuch. Er tippt ein, was er braucht, etwa „Elektroniker Betriebstechnik“ oder „Staplerschein“, und bekommt eine Liste von Bewerbern. Wer im System unvollständig oder falsch steht, taucht in dieser Liste nicht auf. Die Bewerbung ist nicht abgelehnt worden, sie wurde einfach nie gefunden.
Dahinter steckt kein böser Wille. Wer für mehrere offene Stellen gleichzeitig Bewerbungen bekommt, sortiert die nicht von Hand vor. Das übernimmt die Software, und die kann eben nur mit dem arbeiten, was sie aus deinen Unterlagen herausbekommen hat.
Woran Lebensläufe wirklich scheitern
Der häufigste Stolperstein ist das Layout. Viele Vorlagen im Netz stellen zwei Spalten nebeneinander, links Kontaktdaten und Kenntnisse, rechts der Werdegang. Das sieht ordentlich aus. Die Software liest aber Zeile für Zeile quer über die Seite und mischt dabei beide Spalten ineinander. Heraus kommt eine Zeile wie „Musterstadt Elektroniker für Betriebstechnik 09/2019“, und niemand weiß mehr, was wozu gehört.
Der zweite Stolperstein ist ein Lebenslauf, der gar keinen Text enthält. Das passiert, wenn du ein ausgedrucktes Blatt einscannst oder deinen Lebenslauf in einem Bildprogramm gestaltest und als Bild exportierst. Für dich sieht das PDF gleich aus. Für die Software ist es eine Fotografie, auf der sie nichts lesen kann.
Dazu kommen Kleinigkeiten, die einzeln harmlos wirken. Kontaktdaten in der Kopf- oder Fußzeile werden von manchen Systemen übersprungen, weil dort sonst nur Seitenzahlen stehen. Sprachkenntnisse als Balkengrafik ohne Wort daneben ergeben keinen auslesbaren Wert. Eine Überschrift wie „Mein Weg“ statt „Berufserfahrung“ ist charmant, aber die Software sucht nach dem üblichen Begriff. Und Zeitangaben ohne Jahreszahl kann niemand einsortieren, weder Mensch noch Maschine.
Der zweite Filter: die Wörter aus der Stellenanzeige
Selbst wenn alles sauber ausgelesen wird, entscheidet noch etwas anderes darüber, ob du in der Trefferliste auftauchst: die Wörter, die in deinen Unterlagen stehen. Der Personaler sucht mit den Begriffen, die er selbst in die Anzeige geschrieben hat. Wenn dort „Servicetechniker“ steht und du dich durchgängig „Monteur“ nennst, obwohl du genau diese Arbeit machst, findet dich seine Suche nicht.
Der Umkehrschluss ist nicht, wahllos Begriffe einzustreuen. Der alte Trick, Stichworte in weißer Schrift ins Dokument zu setzen, funktioniert nicht mehr und fällt spätestens im Gespräch auf. Es geht darum, deine echte Arbeit mit den Wörtern zu beschreiben, die in deiner Branche und in dieser Anzeige üblich sind. Wenn du Schaltschränke verdrahtet hast, dann schreib „Schaltschrankbau“ hin und nicht nur „Montagetätigkeiten“.
Lies die Anzeige dafür zweimal. Beim zweiten Mal markierst du die Begriffe, die tatsächlich auf dich zutreffen. Genau die gehören in deinen Lebenslauf, an die Stelle, wo du diese Aufgabe wirklich gemacht hast.
Was du an deinem Lebenslauf änderst
Bau die Seite einspaltig auf, von oben nach unten. Schreib den Text als Text, nicht als Bild. Nimm die gewohnten Überschriften wie Berufserfahrung, Ausbildung und Kenntnisse. Gib bei jeder Station Monat und Jahr an, also 09/2019 bis 03/2023, und lass keine Lücke unerklärt. Kontaktdaten gehören in den normalen Textbereich der ersten Seite, nicht in die Kopfzeile.
Bei der Schrift reicht eine Standardschrift wie Arial oder Calibri. Ausgefallene Schriften werden beim Auslesen manchmal zu Buchstabensalat. Speichere die Datei als PDF, nenne sie nach dem Muster „Lebenslauf-Vorname-Nachname.pdf“, und verzichte auf Passwortschutz. Ein geschütztes PDF kann die Software nicht öffnen.
Das Foto ist übrigens kein Problem. Es wird schlicht ignoriert. Nur Angaben, die ausschließlich im Bild stehen, gehen verloren, deshalb schreib deinen Namen nie nur ins Foto.
Nicht jede Firma nutzt so eine Software
Verbreitet sind diese Systeme vor allem bei größeren Unternehmen. Der Handwerksbetrieb mit acht Leuten liest deine Bewerbung selbst, da entscheidet der Chef am Küchentisch. Es lohnt sich trotzdem, den Lebenslauf lesbar zu bauen, denn auch ein Mensch überfliegt ihn zuerst nur nach Stichworten. Klar gegliedert, einspaltig, mit den passenden Begriffen: Das hilft in beiden Fällen.
So prüfst du selbst, ob dein Lebenslauf lesbar ist
Es gibt einen Test, den du in einer Minute machen kannst. Öffne dein PDF, markiere die ganze Seite, kopiere sie und füge sie in ein leeres Textdokument ein. Was du dort siehst, sieht die Software ungefähr auch. Steht alles in sinnvoller Reihenfolge da, ist die Grundlage in Ordnung. Kommt Kauderwelsch heraus oder gar nichts, liegt es am Layout oder daran, dass dein Lebenslauf ein Bild ist.
Wenn du es genauer wissen willst, nimm den ATS-Check von CareerTRIX. Er sagt dir, wie gut deine Unterlagen auslesbar sind und wie viele wichtige Begriffe aus der Stellenanzeige in deinem Profil vorkommen, jeweils als Wert mit Hinweisen, was du ändern kannst. Das kostet nichts und braucht keine Bewerbung, die schon fertig ist.
Der Check bewertet Lesbarkeit und Passung deiner Unterlagen und zeigt dir, woran es hakt.
Kostenlosen ATS-Check starten